Sonntag, 20. Januar 2013

Oh mein Gott!

Wie konnte das denn bitte passieren?

Fast zehn Prozent für die FDP?

Welcher Depp hat die denn gewählt?

Ich bin mehr als fassungslos.

Oh mein Gott!

Samstag, 29. Dezember 2012

Wenn die Nachbarn bei strahlendem Sonnenschein die ersten Raketen anzünden

Ich sitze am Schreibtisch meines Vaters. Ich habe Ferien und eigentlich will ich den ganzen Tag auf dem Sofa liegen, eingewickelt in eine Decke, teetrinkend lesen! Fehlt nur noch der Schnee für das perfekte Nachweihnachtsferiengefühl.

Lesen tue ich tatsächlich und das in rauen Mengen, aber leider nicht das, was ich gerne lesen würde. Stattdessen: Lauter Texte, die vielleicht Informationen zur Rolle des Zuschauers im postdramatischen Theater enthalten könnten. Vor den Ferien bin ich einen Vormittag in die Bibliothek gegangen und habe stapelweise Kopien wieder herausgeschleppt.

Die lese ich jetzt. Für meine erste Hausarbeit - von dreien. Ich kämpfe mit mir selbst um jedes Wort. Ich will eigentlich heute alles lesen und mir Notizen machen, morgen die Gliederung und dann Montag alles schreiben. Ich weiß, da ist Silvester - egal! Die Uni macht einen manchmal zu einem Übermenschen - alles, was sonst wichtig ist, wird unwichtig.

Ich muss nur noch vier Seiten schreiben und ich will noch ein paar Tage frei haben ohne lästigen Druck im Hinterkopf, dass da ja noch die Hausarbeit wartet.

Die Texte nerven. Ich will nicht mehr. Selbst mein Bruder ist beeindruckt von meiner Selbstdisziplin. Ich kenne mich und misstraue ihr. Wenn ich das Ding wirklich bis Montag fertig habe, belohne ich mich selbst, indem ich Donnerstag zu Primark fahre - man muss sich selbst Anreize schaffen.
Wie gebe ich Lexikoneinträge richtig im Literaturverzeichnis an?

Ich darf nicht aufgeben!


Dienstag, 25. Dezember 2012

Frohe Weihnachten

Mein Papa sagt immer, dass man sich erst am 1. Weihnachtstag frohe Weihnachten wünschen darf, weil der 24. noch gar nicht Weihnachten ist, sondern nur der Heilige Abend!
Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich behalte diese Tradition bei und wünsche euch deshalb jetzt FROHE WEIHNACHTEN! Ich hoffe, ihr habt noch schöne (freie) Tage!

Ich hatte auf jeden fall gestern einen sehr schönen Tag mit meiner Familie: Weihnachtsbaum schmücken, "Hilfe, die Hertmanns!" bei NDRinfo hören, den besten Kartoffelsalat der Welt essen und dann natürlich die Bescherung!

Mein Lieblingsgeschenk: Mein Kindle Paperwhite!


Früher wollte ich auf gar keinen Fall einen E-Reader haben, aber nach meinem Umzug mit zig Bücherkisten und den ewigen Zugfahrten, auf denen ich lauter dicke Bücher über Bahnhöfe schleppe, muss ich doch anerkennen, wie praktisch so ein Teil ist.
Ich habe gestern noch die halbe Nacht gelesen, weil ich es natürlich gleich ausprobieren wollte, und bis jetzt bin ich begeistert!

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Tolstoi und Tschaikowsky

Zwei großartige russische Künstler und ich auf einer Zugfahrt. Obwohl beheizt ist es eisekalt im Waggon und ich habe nicht nur meine Winterjacke angelassen, sondern vorsichtshalber zwei Strumpfhosen und noch ein extra langärmliges T-Shirt angezogen.

Ich bin kein Fan davon, gleichzeitig Musik zu hören und zu lesen - dann kann ich mich immer nur auf einen Text konzentrieren: den des Buches oder den der Musik und weil letztere oft eingängiger sind, lese ich dann zwar den Text im Buch, verstehe aber kein Wort davon, weil ich im Kopf das Lied mitsinge.

Das Problem auf langen Zugfahrten ist nun allerdings, dass es fast immer Menschen gibt, die das Bedürfnis haben, nicht nur ihren Nachbarn oder ihren Gesprächspartner am anderen Ende ihres Handys zu unterhalten, sondern gleich den ganzen Waggon. Ob da nun die eigene Ehe in Bezug auf die Kindererziehung in Frage gestellt, der nächste Urlaub besprochen oder die bei-dem-muss-ich-mich-aber-unbedingt-mal-wieder-melden-Liste abgearbeitet wird: Ich kann mich nicht mehr auf mein Buch konzentrieren.

Die einzige Lösung: So laut Musik hören, dass man die Gespräche nicht mehr mitbekommt. Da mich nun aber Musik mit Text genauso ablenkt wie kommunikationsfreudige Mitfahrer, habe ich angefangen, Filmmusik auf meinen mp3-Player zu laden, bis ich irgendwann bei amazon die "99 most essential"-Reihe entdeckte, die auch viele Klassiker im Sortiment hat und vor allem spottbillig ist. Ich mag klassische Musik schon seit ich klein bin. Klar höre ich auch "normale" Musik, aber jeder, der sich rigoros der Klassik verwehrt, verpasst einfach was, es gibt so großartige Stücke! So fanden auch 99 Tschaikowsky-Stücke den Weg zu mir. Und die bilden gerade den perfekten Soundtrack zu meinem Buch: "Anna Karenina" von Tolstoi. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut die beiden zusammen passen - ein Leseerlebnis, das ich jedem empfehlen kann.

Wer auch gut kombinierbar ist? Jane Austen und Mozart!

Freitag, 19. Oktober 2012

Dufterinnerungen

An Düfte kann man sich nur ganz schwer erinnern. Ich kann mir in Gedanken ein Lied vorsingen, ich kann Bilder und Szenen noch einmal durchspielen, bei Geschmack wird es schon schwieriger, aber wenn ich mich an den Geschmack von Schokolade erinnere, dann läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen - aber Gerüche?

Ich kann mir nicht in Gedanken einen Duft, den ich schon mal gerochen habe, wieder heraufbeschwören. Ich kann es versuchen, ich strenge mich wirklich an, aber es funktioniert nicht.

Umso erstaunlicher, dass ich wahnsinnig viele Erinnerungen an Gerüche koppel.
Neulich stand ich unter der Dusche bei meinen Eltern und wollte das Shampoo meiner Mutter benutzen - ich selbst benutze seit Jahren andere - und als ich den Duft des Shampoos roch, stand ich auf einmal wieder in der Gruppendusche unseres Schulschwimmbads nach dem Schwimmunterricht und war fünf Jahre jünger.

Wahnsinn. Ich habe sowas schon öfter erlebt: An Orten, an denen ich jahrelang nicht war, konnte ich mich sofort, als ich wieder dahin kam und den Duft roch, daran erinnern, was mir da passiert ist, was ich gemacht habe, selbst, wenn ich damals noch ein Kind war.

Und immer wieder, wenn mir sowas passiert, bin ich völlig überrascht und geflasht, wie intensiv diese Erinnerungen, die dann kommen, sind, und ich denke immer wieder, dass man sich das doch irgendwie zu Nutzen machen muss.

Ich habe mal gelesen, dass man, wenn man lernen will, das bei einem bestimmten Duft machen soll, zum Beispiel mit ätherischen Ölen oder sowas, und wenn man dann in der Klausur diesen Duft riecht, dann würde einem das, was man gelernt hat, viel leichter wieder einfallen.
Ich habe das mal so halbherzig in der Vorbereitung zum Abi probiert, aber da es nur halbherzig war, hat es natürlich nicht funktioniert, aber eigentlich wäre es noch mal einen neuen und diesmal ernsthaften Versuch wert.

Montag, 15. Oktober 2012

Septemberbücher: Arthur Schnitzler

Meine Septemberlektüre stand unter einem Motto: Arthur Schnitzler! Und zwar haben es folgende Bücher geschafft, von mir gelesen zu werden:

"Flucht in die Finsternis": Ein Blick in den Wahnsinn. Schnitzler beschreibt wirklich feinsinnig die Innenwelt des Protagonisten Robert, ohne die dunklen Gedanken zu verheimlichen, und zeichnet somit das Bild eines Menschen, der sich seiner selbst immer weniger sicher ist und deshalb erst recht nicht mehr anderen vertrauen kann. Eine wirklich tiefe Einsicht in menschliche Abgründe.

"Anatol": Die Geschichte eines Kasanovas möchte man denken, jede Episode eine andere Frau, die einzige Konstante ist sein Freund Max. Leichtlebig und doch irgendwie auch trübsinnig.

"Der grüne Kakadu": Ich gebe zu, irgendwie kann ich dazu gar nichts sagen. Es spielt am Abend des 14. Juli 1789 in Paris, also in der französischen Revolution. Schauspieler spielen den Gästen einer Kneipe vor, sie seien Verbrecher, doch keiner weiß so richtig, was wahr und was gespielt ist.

"Reigen": Das Skandalstück. Damals. Schnitzler zeigt Gespräche von Paaren vor und nach dem Sex. Unerhört für die Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Heute natürlich geradezu keusch, aber ein Schnitt durch die Gesellschaft zu einem Thema, das alle betrifft.

"Professor Bernhardi": Zu Dramentexten kann ich immer nur schlecht was sagen, weil man ja nicht weiß, wie sie am Ende aufgeführt aussehen. Schnitzlers Kritik am Antisemitismus, am Ende die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft, in der die Religion keine Rolle mehr spielen soll.
Professor Bernharid, Gründungsmitglied eines Wiener Krankenhauses und Jude, verweigert einem Priester den Zutritt zu einem Krankenzimmer, um die Kranke nicht zu beunruhigen. Seine Neider und Rivalen machen das zum Skandal und gefährden damit nicht nur seinen Posten, sondern auch das ganze Krankenhaus.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

"Ab jetzt" - Alan Ayckbourn


Eine Bühne und ein Roboter - Gou (Henrike Richters, Elisabeth-Marie Leistikow) - entwickelt, um Kinder zu betreuen, aber mittlerweile wieder vom Markt genommen - eine Zukunft, in der eine Beziehung zu einer Maschine erstrebenswerter scheint, als die zu einem Menschen. Jerome (Dirk Böther), ein Komponist lebt in einem Vorort, der von den "Töchtern der Finsternis" beherrscht wird. Er will das Sorgerecht für seine Tochter Geain (spricht sich "Jane")(Udo Eidinger) zurück und lässt sich deshalb die Schauspielerin Zoe (Elisabeth-Marie Leistikow) ins Haus kommen, um sie als perfekte Lebensgefärtin zu engagieren und so den Sozialarbeiter zu überzeugen. 
Die ist beim Vorstellungsgespräch furchtbar aufgeregt und als sie bemerkt, das Jerome alles aufnimmt, was in seiner Wohnung gesprochen wird, verschwindet sie. Jerome fehlt also immer noch die Partnerin - kurzerhand wird Gous umprogrammiert und in Zoe verwandelt. 
Ex-Frau Corinna (Henrike Richters) und der Sozialarbeiter (Axel Theune) merken nichts, nur Geain, mittlerweile zum transsexuellen Sohn geworden, findet den Roboter auf einmal viel anziehender als ihre Familie.
Vor dem Haus toben die "Töchter der Finsternis", in der Wohnung ist jeder gefangen in seinem eigenen Wahnsinn und geschockt von dem des anderen, auf die Spitze getrieben durch die Nanny-Maschine. Jeder redet, nur reden sie nicht miteinander.
Der Zuschauer gefangen in der Zwickmühle: Man will lachen, aber versteckt sich hinter den leeren Blicken nicht die Tragik? Soll das unsere Zukunft sein und können wir dann lachen?
Am Ende der unvermeidliche Knall und das Fünkchen Hoffnung: die Familie wieder vereint, der Sohn wieder im Kleidchen, alles könnte glücklich enden, die Maschine stirbt, alles könnte gut werden, wenn da nicht der Mensch wäre ...
"Ab jetzt", ein Schauspiel von Alan Ayckbourn, im jungen Theater Göttingen inszeniert von Tim Egloff - wirklich gut, wirklich lustig, ein wunderbarerer Abend!